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Im Sommer 2006 wurde die Schweisfurth-Stiftung von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) mit dem Projekt „Von der partizipativen Zuchtzielentwicklung über die Zucht zur Markteinführung freilandtauglicher und mastfähiger Zweinutzungshybriden“ betraut. Die Projektidee basiert auf der Tatsache, dass für die Freilandhaltung geeignete Hybrid-Hühner für die Eiererzeugung derzeit nur eingeschränkt verfügbar sind. Denn bei den drei den Weltmarkt für Legehennen überwiegend beliefernden Zuchtunternehmen dominierte über Jahrzehnte die höchstmögliche Legeleistung unter den Bedingungen der Käfighaltung als Zuchtziel. Die Fähigkeiten, Klimaschwankungen und Parasitendruck in der Freilandhaltung zu verkraften waren ebenso wenig Zuchtziel wie die Masttauglichkeit der männlichen Küken.
Masttauglichkeit ist aber mit geringerer Legeleistung verbunden. Daraus resultiert eine Erhöhung der Produktionskosten sowohl für die Eier- als auch Geflügelfleischproduktion. Die Aussichten, freilandtaugliche und mastfähige Hybrid-Linien zu vermarkten, sind daher begrenzt und haben die Zuchtunternehmen bisher davon abgehalten, in ihre Entwicklung zu investieren.
Dieser Sachverhalt stellt auch für den ökologischen Landbau eine erhebliche Herausforderung dar, da er fast vollständig von den Entwicklungen und Problemen der industriellen Hybridzucht abhängt: Spezialherkünfte mit besonderer Eignung fehlen.
Die betroffenen und interessierten Kreise – Tierschutz-, Verbraucher- und Erzeugerorganisationen, Lebensmittelhandel sowie Natur- und Umweltschutzorganisationen – hatten bisher nur begrenzten Einfluss auf die Zuchtziele, die langfristig unter ökonomischen Aspekten durch die Zuchtunternehmen festgelegt und umgesetzt werden.
Nur in Kooperation dieser bisher meist gegnerischen Akteure bietet sich – wertkettenübergreifend – die Chance zur partizipativen Entwicklung von Zuchtzielen, die an Tierschutzaspekten orientiert sind; dazu zählen neben der Freilandtauglichkeit insbesondere die Verwertbarkeit der männlichen Geschwisterküken, die derzeit zu Millionen getötet werden und ein drastischer Rückgang ethologischer Probleme wie Federpicken und Kannibalismus.
Ein erster Workshop in Kassel wurde am 29. November 2006 durch Prof. Gottwald moderiert, auf dem Vorstellungen von und Anforderungen an Zweinutzungshybriden in Statements der Beteiligten identifiziert und Zuchtmöglichkeiten für ein Zweinutzungshuhn, die Ausgangslage und Zeitrahmen erarbeitet wurden.
Ein zweiter Workshop fand am 15. März 2007 in Kassel statt. Das Ergebnis der Marktstudie, „Zweinutzungshuhn“ die vom Team von Prof. Dr. Achim Spiller der Georg-August-Universität Göttingen / Marketing for Food and Agricultural Products, durchgeführt wurde, stand auf der Tagesordnung. Danach wurden Messmethoden und Erfolgskriterien zu den Anforderungen an Zweinutzungshybriden diskutiert.
Ein dritter und letzter Workshop fand am 9. Mai 2007 statt. Eine vertragliche Vereinbarung über die Durchführung eines Zuchtprojekts wurde erarbeitet. Die Akteure des Partizipationsprojekts Schweisfurth-Stiftung, Lohmann Tierzucht GmbH, tegut, Gutberletstiftung Stiftung & Co., Deutscher Tierschutzbund e.V., Verbraucherzentrale Hessen e.V., Neuland e.V. kamen überein, von 2008 bis 2010 in der konkreten Zucht- und Markteinführung weiterhin zusammen zu arbeiten.
Das Projekt wurde von einem Dreierteam koordiniert und geleitet. Dazu gehörten neben Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald: Frau Dr. Anita Idel, Projektmanagement Tiergesundheit & Agrobiodiversität und Herr Dr. Jens Clausen, Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit.
Kontakt:
Dr. med. vet. Anita Idel
Projektkoordination
Tiergesundheit & Agrobiodiversität
Monumentenstr. 3
10829 Berlin
T. +49 (0)30 70509501
anita.idel@t-online.de

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