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Vor 2.000 Jahren sagte ein Mensch in einer existentiellen Situation: „Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Heute, in einer existentiellen Situation der Menschheit, müssen wir diesen Satz umdrehen und sagen: „Herr vergib ihnen, denn sie tun nicht, was sie wissen“.
Eine Wiener Gruppe von Wissenschaftlern hat ein Buch vorgestellt mit dem Titel „Die Wende der Titanic“. Der Bezug auf den Untergang der Titanic ist ein treffendes Bild für unsere heutige Situation. Wir verfügen über wunderbare Technik, wir kommen schnell überall hin und sind global miteinander vernetzt. Und wir wissen alle, dass wir mit immer größerer Geschwindigkeit auf große Gefahren zusteuern: Viele Millionen Menschen überall in der Welt, die durch industrielle Automation aus der Arbeitswelt herausfallen, nicht mehr gebraucht werden und den Sinn ihres Lebens nicht mehr erkennen können; die fossile Energie, die uns ausgeht und die unser Klima verändert; unsere Ernährung, die durch intensive Landwirtschaft und Tierhaltung sowie industrielle Produktion immer mehr an innerem Wert verliert und Mangelerscheinungen und Krankheiten hervorruft, die unser Gesundheitssystem sprengen werden (um nur einige wenige bedrohende Probleme unserer Zeit zu nennen).
Auf der Titanic saßen die Wohlhabenden und Einflussreichen sowie die Spiel- und Spaßleute. Sie waren fasziniert von Fortschritt und Geschwindigkeit. Trotz der drohenden Gefahr einer Kollision mit Eisbergen wurde immer mehr (damals noch reichlich vorhandenes) Öl unter die Kessel geschüttet, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. Das traurige Ergebnis ist bekannt. Und die Musikkapelle spielte weiter!
Wir wissen alles, was wir wissen müssen, um die drohenden Gefahren abzuwenden und neue Entwicklungen einzuleiten, aber wir tun es nicht. Denken und Handeln fallen gravierend auseinander. Es gibt sehr viele Menschen, die Kluges denken, sagen und schreiben, aber sehr wenige Menschen, die sich die Ärmel aufkrempeln und handeln. Liegt es an der mit dem Handeln verbundenen Gefahr des Scheiterns, die Menschen vom Handeln abhält? Oder sind das die mit dem Handeln verbundenen Mühen und körperlichen und geistigen Anstrengungen?
Das Wort „Nachhaltigkeit“ ist ein sperriges Wort, viele Menschen werden von diesem Begriff nicht wirklich berührt und wissen nicht wirklich, was damit gemeint ist (Nachhaltigkeit ist ein 150 Jahre alter Begriff aus der Forstwirtschaft und besagt, dass man nur so viel Holz ernten darf, wie natürlich nachwächst). Ich benütze oft eine lyrische Formulierung, wenn ich über „Nachhaltigkeit“ rede: „Tue alles, was du kannst und was in deinen Kräften steht, um die Welt ein klein wenig schöner zu verlassen, als du sie betreten hast, deinen Kindern und Enkeln zuliebe und als Dank für das Geschenk des Lebens“.
Autor: Karl Ludwig Schweisfurth, November 2005

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