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Ausgangslage
Herten spürt die ökonomischen Probleme der Gegenwart besonders. Mit dem Ende des Bergbaus kam die Massenarbeitslosigkeit, der allgemeine Strukturwandel brachte dramatische Folgen für Schule und Erwerbsleben.Es gibt aber auch viele intakte Strukturen in der Region, nicht zuletzt in der Landwirtschaft. Für die Ausbildung tun sich hier große Chancen auf.
Bürgergesellschaftliches Engagement für Jugendliche
Die Hertener Bürgerstiftung initiiert und fördert Projekte, die in der Stadt Herten eine Kultur der neuen Arbeit schaffen und ein bürgergesellschaftliches Engagement zur beruflichen Qualifizierung, Umschulung und sozialen Betreuung betroffener Personen für die Zukunft organisieren.
Ein Weg zur Verwirklichung der Stiftungsziele ist dabei die Entwicklung, Förderung und wissenschaftliche Begleitung von Modellprojekten zur Erprobung innovativer Lebens- und Arbeitsstrukturen, in denen sowohl ökologische Gesichtspunkte als auch demokratische Wertvorstellungen verwirklicht werden.


Anfang des Jahres 2000 hat die Bürgerstiftung einen alten Bauernhof erworben, der durch Leerstand und Brandeinwirkung stark beschädigt war. Der Hof umfasst neben der direkten Hofstelle eine Wiesen- und Ackerfläche sowie ein kleines Wäldchen. Hier soll ein ökologisch ausgerichteter landwirtschaftlicher Betrieb mit angegliederten Produktions- und Dienstleistungszweigen entstehen, der Hertener Kindern und Jugendlichen als Erfahrungs-, Lern- und Beschäftigungsort dient und insbesondere benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen Qualifizie-rungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten bietet bzw. Schlüsselqualifikationen für eine spätere Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt.
Zur Realisierung des Vorhabens sind zunächst umfassende Sanierungs- und Umbaumaßnahmen erforderlich, die unter Einbeziehung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Rahmen von Beschäftigungsmaßnahmen durchgeführt werden.
Da es ein besonderes Anliegen der Bürgerstiftung ist, Jugendliche an einen bewussten und sorgsamen Umgang mit Natur und Umwelt heranzuführen, erfolgen auch die Sanierungsarbeiten unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte. Hierzu zählen zum Beispiel die Wiederverwertung vorhandener Materialien, Verwendung vorhandener Energie durch Nutzung des Hofes auf der Basis von Fernwärme, Nutzung der geplanten Teichanlage zur Regenwasser-verrieselung, Rekonstruktion des Backhauses nach historischem Vorbild unter Verwendung wieder verwendbarer Originalmaterialien.
Im Mittelpunkt der zukünftigen Nutzung werden der Anbau von Obst und Gemüse sowie die Haltung von Kleintieren stehen.
Das Projekt nutzt die intakten Strukturen der regionalen Landwirtschaft für den Ausbildungssektor und tritt dabei der Jugendarbeitslosigkeit mit neuen Denk- und Arbeitsformen entgegen. Hertener Schulen wird dazu ein landwirtschaftlicher Betrieb zur Verfügung gestellt.
Zielsetzung
Schülerinnen und Schüler lernen hier unter fachlicher Anleitung, ei-nen Hof nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen. Die zu verrichtenden Arbeiten reichen vom Anbau bis zum Kundenkontakt, von Marketing und Werbung bis zur Wahrnehmung betriebswirtschaftlicher Aufgaben. Lehr- und Arbeitspläne werden zu diesem Zweck aufeinander abgestimmt.
Der Schulhof Herten gibt Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, selbst Produkte für die Region zu produzieren, sich dabei mit ökonomischem Denken und unternehmerischem Handeln vertraut zu machen und durch die Übernahme von Verantwortung selbstbewusste Akteure im Arbeitsleben zu werden. Die Schüler tragen Verantwortung. Sie erwerben mit ihrer Arbeit Anteile am Hof, symbolisch oder tatsächlich.
Die Aufgaben der Schüler reichen vom Wässern der Pflanzen übers Unkrautjäten bis zum Umgang mit Kunden und dem Handel mit Zulieferbetrieben. Sie werden Rechnungen schreiben, Telefonate führen, Nachrichten weitergeben, werden Marketing und Werbung betreiben, einen Begriff von Qualität entwickeln und dafür sorgen, dass ihre Produkte diesen Standard auch erreichen. Sie werden ihre Ware selbst auf Märkten anbieten und an Supermärkte verkaufen. All diese Vorgänge sind aufeinander abzustimmen. Unabdingbare Voraussetzung ist die Kenntnis vom Umgang mit Pflanzen und von landwirtschaftlichen Arbeitsvorgängen.
Das Projekt dient dabei nicht allein der Berufsanbahnung und Förderung von Basisqualifikationen. Es ist darüber hinaus beabsichtigt, dauerhafte Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Schulhof Herten zu etablieren. Schüler, die sich qualifiziert haben, werden die Möglichkeit haben, nach der Schulzeit im Projekt zu bleiben, um wiederum Jüngere anzulernen. So können Jugendliche, die vorher nie eine Chance bekommen hätten, als selbstbewusste Arbeiter in den Arbeitsprozess eingegliedert werden.
Hilfe zur Selbsthilfe
Aufgabe der Stiftung wird es sein, nicht nur Geld, Land und Hof für das Projekt bereitzustellen, sondern auch Lehrer, Mentoren, Ausbilder, Geschäftspartner zu interviewen und jeden Schüler sorgfältig in seiner Arbeit zu begleiten.
Hier wird jungen Menschen Mut gemacht, selber Initiativen zu ergreifen und nicht zu warten, bis jemand kommt und Arbeit gibt. 
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