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Willkommen bei der Schweisfurth-Stiftung
   
„Ein Metzger wird Tierschützer“

Aus: Das Wochenend-Magazin der Rhein Main Presse

Samstag, 27. Juli 2002, Seite 3

 

Fleischfabrikant Karl Ludwig Schweisfurth

veränderte sein Leben und wurde Öko-BauerVon Gabriele Isringhausen

 

Es ist kein bestimmter Tag, der das Laben des Fabrikanten Karl Ludwig Schweisfurth, Chef des Fleischkonzerns "Herta" im westfälischen Herten, verändern wird. "Ich habe lange Umwege gemacht, bevor ich zu dem geworden bin, was ich heute mit Leib und Seele tue", sagt der Metzgermeister, der jetzt als Tier- und Umweltschützer ökologische Landwirtschaft in den "Herrmannsdorfer Landwerkstätten" im oberbayerischen Glonn betreibt. Der Weg des jungen Schweisfurth ist klar vorgezeichnet. Fleischerlehre, kaufmännische Ausbildung, Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. 1964 übernimmt er vom Vater die 1897 vom Großvater gegründete Fleischfabrik, baut mit 5.000 Mitarbeitern zu einem der größten Konzerne Europas aus. [...]

 

1982 macht Schweisfurth – inzwischen 52 Jahre alt – seine Metzgermeisterprüfung, zwei Jahre später verkauft er das Imperium an die Firma Nestlé. "Man muss konsequent rausspringen aus dem System und alles komplett anders machen", sagt der "Umsteiger", der den grauen Edelzwirn gegen Lodenjanker und breitkrempigen Hut vertauscht. Für ihn ist es wie eine Befreiung. Schweisfurth verlässt die westfälische Heimat und zieht mit seiner zweiten Frau Dorothee nach Bayern. Sein zweites Leben beginnt. Im Dörfchen Glonn gründet er 10988 die "Herrmannsdorfer Landwerkstätten", verwirklicht dort seine neue Vision von ökologischer Landwirtschaft. [...]

 

So richtig an Ruhestand denkt der agile Öko-Landwirt aber nicht. Mit dem Berliner Wissenschaftler Dr. Meinolf Dierkes präsentiert es den Bundestagsabgeordneten das "Leitbild Agrar-Kultur", hat jetzt sein Buch "Pures Leben - Die Gaben der Natur genießen" (Heyne Verlag, 25 Euro) veröffentlicht, plant Netzwerke in Österreich, Spanien, Südengland. Seit 1999 gibt es die "Herrmannsdorfer Landwerkstätten" in Hannover, ein Teil der Expo 2000. "Ich habe bewiesen, das Chemiesierung, Industrialisierung, Subventionierung, Gentechnik nicht nötig sind. Wenn das in allen Köpfen angekommen ist, dann wird es weder BSE noch Maul- und Klauenseuche geben", sagt Schweisfurth, beißt genussvoll in ein Stück Schinken. "Lieber halb so viel, aber doppelt so gut".


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