NEWSLETTER DER SCHWEISFURTH-STIFTUNG
AUSGABE 02/2008


Liebe Leserin, lieber Leser!

Bei der vergangenen BioFach im Februar wurden ethische Fragen der Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Bio-Lebensmitteln verstärkt angesprochen. Bio-Lebensmittel sind durch das breit gewordene öffentliche Gespräch über Fairness, Nachhaltigkeit, Generationengerechtigkeit, Klimaschutz, Gesundheit und regionale Ernährungssicherung als besondere "moralische Güter" erkannt worden. Sie führen eine klare moralische Botschaft: Sie versprechen z.B., die Gesundheit von Pflanze, Tier und Mensch zu schützen. Sie versprechen ferner, moralisch Fragwürdiges wie den Einsatz von potentiell gefährlichen Chemikalien, von Mastmitteln, von gentechnisch hergestellten oder nanoskalierten Hilfs- und Zusatzstoffen nicht zu praktizieren.

Mit diesem moralisch rigorosen Programm hat die Biowirtschaft Erfolg. Ihr Einfluss auf die konventionelle Lebensmittelindustrie wird zunehmend spürbar. Große Herstellerfirmen wie Dr. Oetker z.B. entwickeln Bioprodukte, große Handelsketten wie EDEKA und REWE bauen neue Biosortimente auf. Derzeit schlägt das Pendel zwischen global und lokal mehr in Richtung lokal aus. Der Wettbewerb verändert sich. Konventionelle Firmen greifen moralische Themen auf.

Für uns eine spannende Entwicklung, an deren Gestaltung wir weiter aktiv mitwirken werden.

Ihr
Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald mit Team



AUS DER STIFTUNG


Allianz für Tiere: Aspekte der Zucht landwirtschaftlicher Nutztiere

Am 1. April 2008 hat in Berlin die Tagung der Allianz für Tiere in der Landwirtschaft auf gravierende Missstände in der Tierzucht aufmerksam gemacht. Die Situation in der Nutztierzucht sei alarmierend: Die Hochleistungszucht etwa bei Rindern, Schweinen und Hühnern führe zu zahlreichen Gesundheitsproblemen und Verhaltensstörungen bei den Tieren. Die genetische Vielfalt in der Tierzucht gehe dramatisch zurück. Die Allianz für Tiere fordert die Bundesregierung auf, auf dem Verordnungswege dafür Sorge zu tragen, dass das im Tierschutzgesetz festgeschriebene Verbot der Qualzucht auch in der Praxis umgesetzt wird. Die biologische Vielfalt bei landwirtschaftlichen Nutztieren müsse gezielt erhalten und gefördert, das Klonen landwirtschaftlicher Nutztiere hingegen verboten werden. Zudem sollten die Formen der Tierzucht mit staatlichen Fördermitteln unterstützt werden, die eine artgerechte und umweltverträgliche Form der Tierhaltung ermöglichen. "Eine Turbo-Landwirtschaft auf Kosten der Tiere und der biologischen Vielfalt muss unterbunden werden", so die Spitzenvertreter der Allianz für Tiere auf ihrer gemeinsamen Pressekonferenz am Rande der Berliner Fachtagung.



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Beirat Verein "Bestes Bio – Fair für alle"

Professor Gottwald wurde in den Beirat des Vereins "Bestes Bio – Fair für alle" e.V. berufen. Die Arbeit des Vereins basiert auf einem umfassenden Verständnis von Fairness. Fairness umfasst: faire Preise für Lebensmittel, Transparenz, Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit.

Der Verein will dazu beitragen, diese originären Werte, mit denen die Biobewegung groß geworden ist, der Gesellschaft zu vermitteln. Die oben genannten Prinzipien werden in den Mitgliedsunternehmen umgesetzt und in Bezug auf die Herstellung der Lebensmittel angewandt. Mit der Arbeit des Vereins und den zu entwickelnden Prüfkriterien für Fairness sollen neue gesellschaftliche Standards gesetzt werden.

Am 22. Februar 2008 wurde der Verein von Professor Gottwald auf der BioFach in Nürnberg vorgestellt. Er wird mit dem ebenfalls von Professor Gottwald mitgegründeten Verein BioHandwerk e.V. zusammenarbeiten.



>> Weitere Informationen unter www.biofairverein.de



Stifterland Bayern

Die Schweisfurth-Stiftung beteiligt sich aktiv an der Initiative Stifterland Bayern. Sie hat einen Ausstellungsbeitrag geleistet und präsentiert ihre Arbeit im entsprechenden Ausstellungskatalog. Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Mai 2008 zu besuchen und wird in der Säulenhalle des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Hofgraben 4, in München gezeigt. Flankiert wird die Ausstellung durch zahlreiche Vorträge – auch in den Räumen der Schweisfurth-Stiftung.



>> Weitere Informationen unter www.stifterland-bayern.de



Engagement der Stiftung bei New Ethics auf der BioFach 2008

Professor Gottwald betonte während der Podiumsdiskussion "New Ethics" auf der BioFach, dass es eine Vielfalt von Dimensionen gibt, in denen sich die Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft im Sinne von New Ethics weiterentwickeln können. Im sozialen Bereich müssen sich die Unternehmen auseinandersetzen mit Themen wie: Mindestlohn, Alterssicherung, Vertragstreue, Diversity Management, Karrieremanagement, Corporate Citizenship etc. Professor Gottwald mahnte auch an, dass die ethischen Entwicklungen in einzelnen Unternehmen überprüfbar durch Dritte sein müssten. Er warnte davor, auf Selbstverpflichtungen zu setzen.



>> Weitere Informationen unter www.newethics.com/de



Pro Tier-Förderpreis – Anerkennungspreis für Projekt "Juradistl-Lamm"

Am 25. Februar 2008 übergab Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth-Stiftung und Mitglied der Jury des Pro Tier-Förderpreises, bei einer Feierstunde im Berggasthof Sammüller den Anerkennungspreis für das Projekt "Juradistl-Lamm" an Landrat Albert Löhner, der den Preis im Namen des Landschaftspflegeverbandes Neumarkt i. d. OPf. entgegennahm.



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KURZNOTIZEN



Einsatz von Nanotechnologie

Der Einsatz von Nanotechnologie in der Lebensmittelwirtschaft wird als riskant eingeschätzt. Aus ernährungsethischer Sicht müsste daher das Prinzip der Vorsorge angewendet werden. Spezielle gesetzliche Regelungen fehlen in der EU jedoch. "Ökologie & Landbau" veröffentlichte in der Ausgabe 1/2008 dazu ein Interview mit Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald.



>> Download des Interviews  



Von Bioessen und Gentechnik – Die Politik der Lebens-Mittel
Veranstaltung am 22.04.2008 der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg

Kochevents, kulinarische Veranstaltungen und die bunte Palette der Kochbucheditionen täuschen darüber hinweg, wie wenig wir über die Herkunft der Lebensmittel wissen und wie vorbehaltlos Billigangebote angenommen werden. Welche ethischen Grundlagen brauchen wir für eine sozialverträgliche, ökologische, flächenschonende Landwirtschaft? Gefragt sind Qualitätsprodukte ohne Genmanipulation und eine Rückbesinnung auf die natürlichen Kreisläufe. Der Gesetzgeber und der Konsument sind gefordert, den Wert der Lebensmittel neu zu definieren, um den Themen Ernährung, Gesundheit, Soziale Gerechtigkeit und Ressourceneinsparung gerecht zu werden.



>> Weitere Informationen finden Sie hier



Bio 2008 – Kongress vom 05. - 06.05.2008, management forum, Wiesbaden

Zwischen Ökonomie und Ökologie – Wie wird sich der Bio-Handel in Deutschland entwickeln?
Themen, die die Branche aktuell bewegen, werden beim Fachkongress "Bio 2008" diskutiert. Namhafte Branchenexperten geben einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Biobranche und stellen erfolgreiche Strategien und Konzepte für diesen Markt vor. Keynote-Sprecher zum Thema "Ein Markt im Umbruch – Die Biobranche zwischen wirtschaftlichem Kalkül und sozialer Verantwortung" am 05.05.2008, 16.10 - 16.50 Uhr ist Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald mit einem Beitrag zu "Was heißt heute Bio?".



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Tagung "Religion – Natur – Zeit" vom 04. - 06.05.2008, Evangelische Akademie Tutzing

Globalisierung und zunehmende kulturellreligiöse Vielfalt – unser Umgang mit Zeit treibt diese Trends voran. Welche Bedeutung haben Zeiten der Religionen in der ökologischen Krise? Welchen Beitrag leisten sie zu einer nachhaltigen Entwicklung? Diesen Fragen geht vom 04. - 06.05.2008 die Evangelische Akademie in Tutzing nach.



>> Download der Programmübersicht



Kongress "Wirtschaften mit Geist und Seele" vom 29.05. - 01.06.2008 Akademie Heiligenfeld, Bad Kissingen

Die aktuelle Steueraffäre und wiederkehrende Medienberichte über Missmanagement in Unternehmen zeigen, dass Werte und Moral in der Wirtschaft nicht zum Besten stehen. Ein Bewusstseinswandel ist nötig: Weg vom egoistischen, kurzfristigen Handeln hin zu einer werte- und menschenorientierten Unternehmensführung, die nachhaltig angelegt ist. Mit dem Kongress "Wirtschaften mit Geist und Seele" vom 29. Mai bis 1. Juni 2008 in Bad Kissingen möchte die Akademie Heiligenfeld Wege aufzeigen, wie nachhaltiges und werteorientiertes Wirtschaften aussehen kann. Mehr als 50 Referenten stellen im Rahmen von Vorträgen und Workshops erprobte Strategien und Erfolgsmodelle vor.



>>  Weitere Informationen finden Sie unter www.kongress.heiligenfeld.de



Vortragstermine an der Hochschule für Politik, München

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald bietet an der Hochschule für Politik in München Vorlesungen zum Thema "Globalisierung, Ernährungssouveränität und Lösungsansätze für das Welthungerproblem" an. Sie finden am 7. Mai, 14. Mai, 28. Mai, 4. Juni, 11. Juni und 25. Juni 2008 von 17-19 Uhr in der Hochschule für Politik statt.





PUBLIKATIONEN



Gottwald, F-Th. (2008): Einsatz von Nanotechnologie braucht gesetzlichen Rahmen. In: Ökologie und Landbau, Vol. 145, S. 50 – 51.

Gottwald, F-Th.; Boergen, I. (2008): Mit den Werten wachsen. Marktentwicklung und Wertewandel im Ökolandbau – ein Ländervergleich zwischen der Schweiz, Österreich und Deutschland. In: Kritischer Agrarbericht 2008. Kassel/Hamm: ABL Verlag. S. 88 – 95.

Gottwald, F-Th. (2008): Towards Ecological and Social Transformation through the Fulfillment of Basic Needs. In: Patrick U. Petit (Ed.), Earthrise – The Dawning of the New Civilization in the 21st Century. A Compilation of Articles by Leading Pioneer Organizations. München: Utz Verlag. S. 349-363.

Tierzuchtfonds für artgemäße Tierzucht (Hrsg.); Hörning, B. (2008): Auswirkungen der Zucht auf das Verhalten von Nutztieren. Tierhaltung Band 30, Kassel: Kassel University Press.



TERMINE



Die Veranstaltungen finden jeweils um 19.00 Uhr in den Räumen der Schweisfurth-Stiftung statt.

Aus der Programmreihe der Nymphenburger Vorträge "Gut Essen – was bedeutet das? Gedanken zur Qualität unserer Lebens-Mittel", im Rahmen der Initiative STIFTERLAND BAYERN:

Dienstag, 29. April 2008
Dr. habil. Harald Lemke (Universität Lüneburg, Institut für Kulturtheorie)
"Ethik des guten Essens – Rezepte für eine nachhaltige Esskultur"

Donnerstag, 8. Mai 2008
Prof. Dr. Berthold Koletzko (Stiftung Kindergesundheit, Klinikum der Universität München)
"Dicke Kinder" – Problem oder Symptom unserer Gesellschaft? Modelle für Prävention und Erste Hilfe


Sonstige Termine

Dienstag, 27. Mai 2008
Bertolt Hering – Vortrag
"Die Farben der Natur - Farbphänologische Beobachtungen im Jahreskreis"

Dienstag, 24. Juni 2008
Dr. Andreas Weber – Vortrag/Buchpräsentation
"Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften"



KONTAKT


Vielen Dank für Ihr Interesse an den Aktivitäten der Schweisfurth-Stiftung.
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Wir freuen uns über Ihre Fragen, Anregungen, Informationen und auch Kritik unter laue@modemconclusa.de

Schweisfurth-Stiftung
Südliches Schloßrondell 1
80638 München
Telefon: 089 179595 -0
Fax: 089 179595 -19
E-Mail: info@schweisfurth.de
www.schweisfurth.de


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