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Aus : Süddeutsche Zeitung Nr. 87, 15. April 2002
Seite 49
Interview von Martin Thurau
Karl Ludwig Schweisfurth will Öko-Landbau durchsetzen
Karl Ludwig Schweisfurth hat einen langen Weg hinter sich: von industrieller Nahrungsmittelproduktion zu ökologischer Landwirtschaft. Er gründetet eine Stiftung, die neue Methoden von Ackerbau und Viehzucht propagieren soll, und schuf die Herrmannsdorfer Landwerkstätten – sozusagen als Probe aufs Exempel. "Pures Leben" nennt er sein neues Buch. Am Dienstag um 19:30 spricht Schweisfurth im Gasteig.
SZ: Ihr Vortrag hat den Untertitel "Wie man das Leben in Lebensmitteln erhalten kann". Was meinen Sie damit?
Schweisfurth: Lebensmittel sollen Leben befördern und die Gesundheit im Idealfall bis ins hohe Alter erhalten helfen. Ich habe mich mein ganzes Leben lang mit ihrer Erzeugung beschäftigt. Heute weiß ich, dass es in gesunden Nahrungsmitteln lebensspendende Kräfte gibt.
SZ: Unterscheiden sich darin industriell gefertigte Lebensmittel von Produkten aus dem Öko-Landbau?
Schweisfurth: Ich möchte die Grenze nicht zwischen Industrie und Öko-Anbau ziehen, sondern zwischen Lebensmitteln und toter Nahrung. Aus das Handwerk kann tote Nahrung erzeugen.
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SZ: Bundesverbraucherministerin Renate Künast hat im Zuge der BSE-Krise die Agrarwende ausgerufen: Bis 2010 sollen 20 Prozent der Produkte aus Öko-Anbau kommen. Ist das realistisch?
Schweisfurth: Schwer zu sagen. Das hängt von unendlich vielen Faktoren ab. Wünschenswert wäre es ohne Frage. Abgesehen davon muss sich die gesamte Landwirtschaft mehr als bisher an der Ökologie orientieren. In den letzten 50 Jahren gab es den Grundsatz, immer schneller immer mehr immer billiger zu erzeugen. Das hat zwangsläufig dazu geführt, dass insbesondere in der Tierhaltung Methoden eingesetzt werden, die nicht vertretbar sind. Es ist nur eine Frage, wie schnell man diese Praxis umstellen kann.
SZ: Gibt es dafür einen Markt?
Schweisfurth: Die Nachfrage an guten Lebensmitteln wächst überproportional. Trotzdem ist es nicht so, dass in zehn Jahren die ganze Nahrungsmittel-Herstellung umgestellt werden könnte. Im Augenblick ist außerdem der Kreis der Kunden klein; es sind nur drei bis fünf Prozent der Verbraucher. Aber es werden mehr, da die Gesundheit zu einem immer beherrschenderen Thema wird. 
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