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„ ... inmitten von Leben, das leben will“ - Grundzüge und Praxis einer Lebens-Landwirtschaft

(Zusammenfassung des Vortrags von Nikolai Fuchs am 7. Juli in München)

 

Albert Schweitzers Ringen um eine angemessene Kultur und sein Durst nach einer das ganze Leben umspannenden Ethik am Anfang des 20. Jahrhunderts nahm seinen Ausgangspunkt in der von Schweitzer als „energielos“ empfundenen damaligen Ethik, die rein auf das Zwischenmenschliche abzielte. In einer besonderen Situation im Jahr 1915 im heutigen Gabun in Westafrika kommen ihm nach jahrelangem Suchen beim Betrachten von vier Nilpferden mit einem Jungen auf einmal die erleuchtenden Gedanken: „Ehrfurcht vor dem Leben“. Dieses Wort sollte den Grundstein legen für die von ihm in seinem ganzen anschließenden Leben entwickelte Ethik. Mit dem Umfassen des gesamten Lebens und aller Kreatur empfand er einen Zugang zu einer Energie, die die Kulturlosigkeit zu überwinden suchte. Kernstück dabei war der denkende Mensch, der, sein Denken aktiv auf die (lebendigen) Dinge anwendend, von sich heraus zu einem ehrfurchtsvollen Umgang mit ihnen findet.

 

Landwirtschaft wirtschaftet mit dem Leben – mit Boden, Pflanzen, Tieren und Menschen. Landwirtschaft umfasst dabei wie kein anderes Lebensgebiet die Sphären des Lebendigen. Ist von daher Landwirtschaft nicht prädestiniert, ganz aus dem Kontext der „Ehrfurcht vor dem Leben“ zu handeln?

 

Nimmt man eine Kernaussage von Schweitzer, wie: „Er (der Mensch) erlebt das andere Leben in dem Seinen. Als gut gilt ihm Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert zu bringen“, dann stellen sich in Bezug auf die Landwirtschaft di folgenden Fragen: Leben erhalten – das kann man denken, das fordert aber auch schon ganz schön heraus. Aber Leben fördern? Wie kann das genau aussehen, wie fördert man Leben? Und nicht zuletzt „entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert bringen“ – was ist damit gemeint?

 

In einem Manifest „Für eine Lebens-Landwirtschaft der Zukunft“ hat ein Kreis von Menschen um den Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise e.V. (Darmstadt) im Winter 2002 versucht, wesentliche Gesichtspunkte eine „Lebens-Landwirtschaft“ zusammenzufassen. Ausgehend vom (Haus-)Tier wird zum Beispiel die Erhaltung der Entwicklungsfähigkeit des Tieres betont. Oder bei der (samenecht) gezogenen Pflanze ihre Möglichkeit zu charaktervollem Wachstum. Oder die Förderung der Bodenfruchtbarkeit und die Sozialform der Arbeitsteilung nach „innen“, d.h. innerhalb eines Betriebsorganismus oder einer Betriebsgemeinschaft. Insgesamt kann man das Konzept „Lebens-Landwirtschaft“ auf diese Weise als ein sehr zukunftsoffenes Konzept beschreiben, das jedoch verlangt, sich dessen, wohin die Landwirtschaft sich entwickeln soll, immer mehr bewusst zu werden. – Letzteres schliesst wiederum sehr schön an Albert Schweitzers Aufruf an das Denken an.

 

So können heute mehrere Impulse von der Ethik Albert Schweitzers ausgehen.

· Das Denken ist als kulturförderndes und die Grundlage für Ethik bildendes Element wieder verstärkt zu schulen – und auf das Lebendige anzuwenden

· Es gilt Aufmerksamkeitsräume zu schaffen für Intuitionen, wie sie Albert Schweitzer im Anblick der Nilpferde gehabt hat. Was Schweitzer in Bezug auf dieses Erlebnis noch als unfassbar und in Bezug auf die Willensuntergründe des Menschen unerforschbar empfunden hat, gälte es geisteswissenschaftlich weiter zu ergründen

· Allianzen müssen geschaffen werden mit allen grösseren, das Leben fördern wollenden Gruppen wie den Kirchen, die jüngst eine ökumenische Denkschrift zur nachhaltigen Landwirtschaft verfasst haben, die viele Anknüpfungspunkte an die Ethik von Albert Schweitzer enthält.

· Nicht zuletzt gibt es nichts Gutes außer man tut es – die Ethik Schweitzers galt ihm immer selbst als „nach Verwirklichung heischend“. In diesem Sinne sind die Herrmannsdorfer Landwerkstätten wie auch andere Betriebe aus dem Umfeld des ökologischen Landbaus Orte einer praktizierten Schweitzerischen Ethik.

 

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Manifest für eine Lebenslandwirtschaft der Zukunft


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