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| BioFach 2009: Tierzuchtsymposion
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| Montag 23.02.09 |
Die industrielle Hochleistungszucht hat gravierende Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit unserer Nutztiere. Größer, schneller, einheitlicher – diese Turbozucht hat einen hohen Preis. Zwar geben Kühe heute im Schnitt fast 7.000 Liter Milch; eine Steigerung um 35 Prozent in den letzten 40 Jahren. Doch im gleichen Zeitraum sind Eutererkrankungen um 600 Prozent, Klauenerkrankungen um 300 Prozent gestiegen.
Schweine setzen innerhalb von einem halben Jahr rund 100 Kilo Fleisch an. In der Folge sieht man sich hier unter anderem mit erhöhter Stressempfindlichkeit, Kreislaufschwäche und Entzündungen des Knochen- und Gelenkapparates konfrontiert.
Legehennen, die mittlerweile fast jeden Tag ein Ei legen (îm Jahr 1800 waren es noch 50 Eier pro Jahr!) leiden an Osteoporose, und genetisch bedingten Verhaltensstörungen wie etwa Federpicken und Kannibalismus.
Die heutige Nutztierzucht steckt in einer Sackgasse. Schon heute fehlen im Bio-Bereich und in extensiver konventioneller Nutztierhaltung die geeigneten Rassen – langsam wachsend, im mittleren Leistungssegment, langlebig, robust.
Um eine nachhaltige Tierzucht zu fördern und entsprechende Forschung voranzutreiben, haben im Jahr 2004 die Schweisfurth-Stiftung gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund, PROVIEH und der Zukunftsstiftung Landwirtschaft den Tierzuchtfonds gegründet. Eine nachhaltige, tiergerechte Tierzucht ist für die Zukunft der Landwirtschaft unerlässlich. Deshalb sind wir froh, diese wichtige Arbeit des Tierzuchtfonds unterstützen zu können.
Um auf die Chancen einer ökologischen Tierzucht hinzuweisen und Chancen einer solchen nachhaltigen Nutztierzucht aufzuzeigen, fand am Samstag, den 21. Februar auf der BioFach in Nürnberg das Tierzuchtsymposion Mehrwert Ökologische Tierzucht - Differenzierung in der Vermarktung tierischer Produkte statt. Bei Erzeugern, Handel und Vermarktung besteht großer Handlungsbedarf. Die steigende Nachfrage nach ökologisch produzierten tierischen Produkten kann dauerhaft nicht mit konventionellen Tieren gedeckt werden. Denn die Verbraucherinnen und Verbraucher gehen davon aus, dass biologisch erzeugte Produkte tiergerecht sind. Dass Tiergerechtheit jedoch nicht nur die Haltung und das Management, sondern auch die Tierzucht betrifft – diese Einsicht muss sich erst noch verbreiten. Denn Fehler, die in der Tierzucht begangen werden, können auch durch das beste tiergerechte Haltungssystem nicht aufgefangen werden. Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf – in der Forschung, seitens der Züchter, Erzeuger, und auch seitens der Vermarkter.
Vortrag Dr. Katharina Reuter
Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch auf den Seiten des Tierzuchtfonds.
Übrigens: Der Deutsche Tierschutzbund hat unter dem Titel „Tierschutzproblem Hochleistungszucht“ einen Sonderdruck seiner Zeitschrift „Du und das Tier“ herausgegeben. Hier können Sie die verheerenden Auswirkungen der industriellen Tierzucht noch einmal nachlesen.
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